Get Adobe Flash player

Höhepunkt des Monats

"Castor et Pollux" von Jean-Philippe Rameau

Höhepunkt des Monats

EIN DOPPELSTERN AM OPERNHIMMEL

Im berühmten Buffonistenstreit, gut 35 Jahre vor der französischen Revolution, prallten ästhetische Anschauungen, aber auch politische Gesinnungen aufeinander. Rousseau und die Enzyklopädisten bescheinigten der französischen Oper, hoffnungslos veraltet zu sein, während die italienische Opera buffa – mehr am Ohr des Volks – Freiheit des Ausdrucks und des Gedankens verkörpere. Rameau, weit entfernt sich dem italienischen Stil anzudienen, öffnete seine Musiksprache mit der Revision seiner Oper "Castor et Pollux" (1754) in Richtung klassische Erhabenheit – mit erstaunlichen neuen harmonischen Ausdrucksformen und Orchesterfarben, die bereits an Gluck gemahnen. Raphaël Pichon und sein Ensemble Pygmalion, denen dieser sehr eigene französische Stil zur "zweiten Natur" geworden ist, legen eine Neueinspielung eben jener Spätfassung vor, die an Verve und Esprit, an Natürlichkeit und selbstverständlichem Stilbewusstsein schwer zu übertreffen ist.

CD-Informationen


Jean-Philippe RAMEAU (1683-1764)
Castor et Pollux (1754)
Colin Ainsworth (Tenor), Florian Sempey (Bariton)
Emmanuelle de Negri (Sopran), Clémentine Margaine (Mezzosopran)
Christian Immler (Bariton), Sabine Devieilhe (Sopran) u. a.
Ensemble Pygmalion
Raphaël Pichon
HMC 902212.13

3 neue CDs

Neuheiten


view
Cavalieri: Rappresentatione

René Jacobs, Akamus

Cavalieri: Rappresentatione

FRÜHBAROCKES WELTTHEATER

Friedrich Nietzsche hat die Entstehung des "stile rappresentativo" am Ende des 16. Jahrhundert als ein großes Missverständnis bezeichnet. Aber was für ein schönes und folgenreiches Missverständnis! Denn der Versuch, den akkordgestützten Sologesang der Antike wiederzubeleben, stand am Beginn der musikalischen Revolution des Generalbass- und damit des Barockzeitalters. Emilio de' Cavalieris "Rappresentatione", ausdrücklich für eine szenische Aufführung konzipiert, stellt das erste erhaltene "Musikdrama" vor – 1600 uraufgeführt und damit älter als die Opernversuche der Florentiner Camerata. Dass diese "Rappresentatione" aber nicht nur von musikhistorischem Interesse ist, sondern farbenreiches, lebendiges Musiktheater vorstellt, das bewies René Jacobs mit seiner vielbejubelten Aufführung an der Berliner Staatsoper in der Inszenierung von Achim Freyer – und das zeigt er nun mit seiner mustergültigen Studioaufnahme des epochemachenden Werks.

CD-Informationen

Emilio de' CAVALIERI (ca. 1550-1602)
Rappresentatione di anima et di corpo
Marie-Claude Chappuis (Mezzosopran)
Johannes Weisser (Bariton), Marcos Fink (Bassbariton) u. a.
Staatsopernchor Berlin
Concerto Vocale & Akademie für Alte Musik Berlin
René Jacobs
HMC 902200.01

view
Ascendit Deus

Choir of Clare College, Cambridge

Ascendit Deus

GOTT FÄHRT AUF MIT JAUCHZEN

"Scharfer Blick mit offenen Augen …  Volltönendes Spiel hier vom Organisten Matthew Jorysz … Inmitten des kraftstrotzenden Christentums gibt es willkommene Oasen der Reflektion. Das Ascendo ad patrem meum von Dirigent Graham Ross ist eine von ihnen, das stratosphärische Sopransaxofon von Anthony Brown durchbricht die geschichteten Chortexturen, forschend nach den Geheimnissen, die den sichtbaren Ereignissen der Himmelfahrt  zugrunde liegen." BBC Music Magazine

"Alles sehr schön ausgeführt durch den überaus versierten Chor." Gramophone

CD-Informationen

Ascendit Deus
Musik für Himmelfahrt und Pfingsten
von Peter PHILIPS, Ralph VAUGHANWILLIAMS, Gerald FINZI,
Frank MARTIN, Graham ROSS, Judith WEIR, Edward ELGAR u. a.
Choir of Clare College, Cambridge
The Dmitri Ensemble
Graham Ross
HMU 907623

view
Schumann: Violinkonzert

Isabelle Faust

Schumann: Violinkonzert

SCHUMANN PUR

Schumanns Violinkonzert, 1853 kurz vor dem Verstummen des Komponisten komponiert, wurde lange Zeit als Ausdruck schwindender Geisteskraft interpretiert. Erst in den letzten Jahren wird das Stück positiver bewertet – als ein in die Zukunft weisendes Spätwerk, das die innere Zerrissenheit des Komponisten kaum mehr unter eine beschönigende äußere Form zwingt. Diese Ersteinspielung auf Originalinstrumenten mit dem Freiburger Barockorchester unter Pablo Heras-Casado macht die Klangbalance, die Schumann ursprünglich vorschwebte, überhaupt erst verständlich und ohrenfällig. Das über weite Strecken in Mittellage spielende Soloinstrument wird vom Orchester nicht zugedeckt und die feine Transparenz und zerbrechliche Faktur des Werks kommt so unmittelbar zum Vorschein. Durch unendlich feine Abstufungen und Schattierungen bringt Isabelle Faust die Skalen, Arpeggien und Melodiebögen zum Sprechen – ein beredtes Plädoyer für ein bisher wenig verstandenes spätes Meisterwerk.

CD-Informationen

Robert SCHUMANN(1810-1856)
Violinkonzert d-Moll
Klaviertrio Nr. 3, g-Moll, op. 110
Isabelle Faust (Violine)
Jean-Guihen Queyras (Violoncello)
Alexander Melnikov (Klavier)
Freiburger Barockorchester
Pablo Heras-Casado
HMC 902196

Bonus-DVD: Mitschnitt des Schumann-Violinkonzerts aus der Philharmonie Berlin

view